Natur im Garten international die umweltberatung
Natur-im-Garten

to the English Website A magyar weboldal na českých stránkách

BIO-GARTENDOKTOR
Biogartendoktor
Natur im GARTEN-AKADEMIE
< Nov 2017 >
M D M D F S S
30 31 01 02 03 04 05
06 07 08 09 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30 01 02 03
Ein „natürliches” Vorzeigeprojekt
Logo DIE GARTEN TULLN

Gartentelefon: 02742 / 74333
EU-Logo
Kofinanziert vom Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) der Europäischen Union.

Totholz birgt reiches Leben

Naturgarten an Lebensvielfalt bereichern, Medieninformation "die umweltberatung" NÖ, 28. Jänner 2010

Leben im toten Holz? Auf den ersten Blick erscheint diese Aussage widersprüchlich. Abgestorbene Bäume oder Äste bieten aber tatsächlich zahlreichen Tieren Nahrung und Unterschlupf. So können in Baumhöhlen Kleiber und viele Meisenarten brüten, Fledermäuse finden ihr Tagesversteck oder ein Winterquartier. Auch Siebenschläfer und Haselmäuse nutzen verlassene Spechthöhlen für den Winterschlaf. "die umweltberatung" plädiert für mehr Totholz auch im Garten!

Ein naturnah gestalteter Garten ist auch ein artenreicher, vielfältig strukturierter Garten. Totholz schafft weitere Lebensräume und Nischen für Pilze, Farne, Insekten und Vögel.
Landeshauptmann-Stellvertreter Mag. Wolfgang Sobotka hat dazu einige Vorschläge: „Wer genug Platz hat, muss z.B. einen alten, abgestorbenen Obstbaum nicht komplett entfernen. Den Stamm mit ein paar eingekürzten Ästen kann man als bizarre ‚Skulptur’ stehen lassen und ein neues kleines Ökosystem schaffen, das wiederum viele Arten anzieht. Wem das nicht gefällt, der kann die Baumruine mit Efeu oder anderen Kletterpflanzen begrünen. Im alten Holz siedeln sich Prachtkäfer an und Spechte können ihre Wohnung bauen. Als Nachmieter ziehen vielleicht sogar Meisen, Steinkauz oder Fleder-mäuse ein. Sie sind sehr nützlich, weil sie viele Insekten, der Steinkauz auch Mäuse fressen.“

Elisabeth Koppensteiner, Leiterin von „Natur im Garten“ bei "die umweltberatung" weist noch auf einen anderen Aspekt hin: „Manchen Tierarten kommt hingegen liegendes Totholz in Form von Holz- oder Aststapeln zugute. Laufkäfer, Blindschleichen, Eidechsen oder Amphibien wie Salamander und Kröten nutzen das als Versteck und Überwinterungsquartier. Auch der Igel zieht sich gerne darunter zurück. All diese Tiere sind hilfreiche Gesellen im Garten, weil unter anderem Schnecken auf ihrem Speiseplan stehen.“

Wem ein einfacher Asthaufen zu „unordentlich“ ist, der kann die Äste zwischen zwei Pfosten aufschichten und somit einen natürlichen Sichtschutz und Begrenzungen im Garten schaffen. Mit einem liegenden Stamm lässt sich ein Garten ebenfalls natürlich strukturieren.
Ein mit Moos bewachsener und von Farnen umringter Baumstumpf verleiht einem schattigen Winkel ein märchenhaftes Ambiente! Unter seinen Wurzeln suchen feuchtigkeitsliebende Tiere wie Salamander, Kröte oder Grasfrosch gerne Unterschlupf.

Ungewöhnliches Getier im Totholz
Bei genauerer Betrachtung regt sich auch im Holz selbst viel Leben! Larven von bunten Pracht- und imposanten Bockkäfern oder Holzwespen bohren sich durch das abgestorbene Holz und hinterlassen dabei hohle Gänge. Mit Hilfe von Mikroorganismen in ihrem Verdauungstrakt können diese Tiere auch das an sich wenig nahrhafte Holz aufschließen. Dort, wo in sonniger Lage die verlassenen Gänge der Käfer ins Freie münden, tut sich für bestimmte Wildbienen-Arten eine willkommene Pforte zur Anlage ihrer Bruthöhlen auf.
Im Gefolge dieser Holzbewohner stellen räuberische Insekten wie Feuerkäfer, Ameisenbuntkäfer oder diverse Schlupfwespen ihrer Beute nach.
Ist das Holz schon weich und morsch geworden, ist es gerade richtig für die Larven einiger sehr großer Käferarten wie den seltenen Hirschkäfer.
Nach vielen Jahren zerfällt das von Pilzen, Bakterien und Tieren zersetzte Holz und geht schließlich in Humus über. Asseln, Regenwürmer, Milben, Tausendfüßer und sonstige Bodentiere sorgen dafür, dass aus dem Holz wieder fruchtbare Erde entsteht.

Keine Panik vor Borkenkäfern im Garten
Leider ist in vielen Wäldern, Parks und Gärten totes Holz nur mehr spärlich anzutreffen. Dies hat dafür gesorgt, dass viele an diesen Lebensraum gebundene Insekten auf der Roten Liste stehen.
Der Grund für die rigorose Entfernung von Totholz im Wald sind meist verschiedene rindenbrütende Borkenkäferarten, welche großen Schaden an geschwächten, lebenden Bäumen (zumeist Fichte!) anrichten können. Diese Borkenkäfer benötigen für ihre Entwicklung frisches, noch berindetes Holz. Eine Massenvermehrung von Buchdrucker, Kupferstecher und Co kann man besser vermeiden, wenn im Wald durch Sturm oder Schneedruck gefällten Bäume rasch entrindet oder entfernt werden.

Elisabeth Koppensteiner, Leiterin von „Natur im Garten“ bei "die umweltberatung": „Im Garten oder Park braucht man keine Angst vor massenhafter Borkenkäfer-Vermehrung haben. Diese Tiere haben ein sehr enges Wirtsspektrum und spielen für Gehölzarten aus dem gartenbaulichen Bereich keine Rolle. Ist das tote Holz noch dazu schon mehrere Jahre alt, siedeln sich darin nur Arten an, die ein ganz bestimmtes Zersetzungsstadium eines bestimmten Holzes brauchen. Totholz bewohnende Arten befallen aber weder Holz noch Rinde lebender Obst- oder Zierbäume! Wer etwas Totholz im Garten belässt, fördert ganz im Gegenteil wichtige Nützlinge und schafft eine Oase der Artenvielfalt!“
 
Weitere Tipps zur naturnahen Gartengestaltung erhalten Interessierte am NÖ Naturgartentelefon  unter 027 42/ 74 333 und in allen regionalen Servicestellen von "die umweltberatung" sowie auf www.naturimgarten.at und www.biogartendoktor.at.

Die Aktion „Natur im Garten“ wurde von Landeshauptmann-Stv. Mag. Wolfgang Sobotka ins Leben gerufen und ist eine Initiative des Landes Niederösterreich in Kooperation mit "die umweltberatung" und zahlreichen PartnerInnen.


Rückfragen für JournalistInnen:
"die umweltberatung" NÖ, Mag. Gabriele Pomper
Tel.: 027 42/ 718 29-113, 0676/ 66 88 558
presse@umweltberatung.at, www.umweltberatung.at
Rechtsträger: Umweltschutzverein Bürger & Umwelt

zuletzt geändert am: 30.08.2010   drucken   zurück